Sind oberflächenfertige Sichtestriche eine Modeerscheinung oder echte Handwerkskunst?

07. Dez 2020

Dieser Frage ist die Redaktion des CREAFLOORFORUM nachgegangen. Mit Bertram Abert, Vorstand Technik von QVFussboden haben wir hierzu einen besonders qualifizierten Interviewpartner gefunden.

Bertram Abert
 Vorstand Technik QVFussboden e.V.

Abert

Redaktion: Ist die Bezeichnung oberflächenfertige Sichtestriche zutreffend?

Bertram Abert: Ja, In der Estrichbranche ist dies der Sammelbegriff für alle Estriche, die in ihrer gebrauchsfertigen Oberfläche als Endbelag zum Einsatz kommen. 


Redaktion: Ist diese Begriffswahl aus ihrer Sicht ein Verkaufsschlager oder eher ein Zungenbrecher?

Bertram Abert: Ein Verkaufsschlager ist dieser Sammelbegriff mit Sicherheit nicht. Wir haben uns im QualitätsVerbundFussboden für eine verkaufsfördernde Schutzmarke entschieden. creafloor® fasst als Gattungsbegriff alle Designestriche verbraucherfreundlich zusammen.


Redaktion: Waren Sie damit Vorreiter in der Estrichbranche?

Bertram Abert: Vorreiter im Bereich oberflächenfertiger Sichtestriche waren wir ganz bestimmt nicht, denn diese Sichtestriche, z.B. Terrazzoböden, gibt es schon seit vielen tausend Jahren. Sie sind nur in der letzten Zeit neu entdeckt worden. Sichtestriche durchleben derzeit eine Art von Renaissance.


Redaktion: Sie sagen eine Art Renaissance. Was meinen Sie damit?

Bertram Abert: Wenn wir den Begriff Renaissance direkt übersetzen, dann meinen wir die Wiedergeburt eines Baustils aus dem Altertum. Angewendet auf die Sichtestriche stimmt dies nur zum Teil, denn wir arbeiten heute mit modernen Maschinen und Hilfsmitteln und viele Arten von Sichtestrich sind durchaus auch neu. Deshalb habe ich mir erlaubt, von einer Art Renaissance zu sprechen. Alles kommt wieder beziehungsweise wiederholt sich. Es gibt nur bedingt etwas Neues am Bau. Gerade in Krisenzeiten sehnen sich die Menschen nach Vertrautem. Vielleicht, weil sie sich darin wohlfühlen.


Redaktion: Ist diese Rückbesinnung auf alte Techniken nicht auch eine Chance für das Handwerk?

Bertram Abert: Ja, unbedingt. Deshalb haben wir in unserem Netzwerk diese „Designestriche“ als Wortbildmarke schützen lassen. Der geistige Vater von creafloor®  ist unser Vorstand Finanzen, Ernst-Werner Meschenmoser. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir uns heute mit unseren Designestrichen in einem geschützten Bereich befinden.


Redaktion: Sie sind in der Estrichbranche als ein Fan von Regelwerken und Normen bekannt. Für QVFussboden zeichnen Sie als Vorstand Technik verantwortlich. Warum gibt es so wenig technische Daten und Merkblätter für Ihre Schutzmarke?

Bertram Abert: Wie schon der Begriff Schutzmarke aussagt, wollen wir damit zum Schutz unserer Mitglieder beitragen. Wenn wir alles genau dokumentieren oder angeben, kann es von den Wettbewerbern im Markt einfach kopiert und jederzeit nachgestellt werden. So aber ist jeder creafloor® Designestrich von unserem Mitgliedsbetrieben ein echtes Unikat.


Redaktion: Ganz schön clever!

Bertram Abert: Ja, das ist es. Am Anfang musste ich mich an diese Denkweise gewöhnen. Heute weiß ich, dass diese Zurückhaltung das beste Qualitätsversprechen ist, welches es unter Handwerksunternehmen gibt. Wo creafloor® drauf steht, ist auch creafloor® drin.


Redaktion: Was ist mit den Normen im Boden- und Estrichbereich?

Bertram Abert: Normung ist immer der kleinste Nenner, auf den sich alle am Bau Beteiligten geeinigt haben. Unsere creafloor® Designestriche erfüllen die Normen allemal. In den meisten Fällen werden in punkto Qualität und Zuverlässigkeit die bestehenden Normen sogar übertroffen und wie bereits gesagt, erreicht werden sie allemal.


Redaktion: Wie wollen Sie den Begriff Unikat verstanden wissen?

Bertram Abert: Wie schon das Wort Unikat sagt, als etwas Einmaliges. Jeder creafloor® Designestrich - ganz egal ob als Terrazzo-Sichtestrich oder gegossener Designbelag ohne Fugen in der Fläche, ob als Beschichtung oder Spachtelung, jeder von uns erstellte Designestrich ist ein handwerkliches Kunstwerk. Wir sind stolz auf unser Können und Wissen und auf unsere Erfahrung.


Redaktion: Wie stellen Sie sicher, dass dieses Wissen und Können weitergegeben wird und wieso trennen Sie diese Begriffe?

Bertram Abert: Wissen ist für uns etwas, was sich im Kopf abspielt, genauer gesagt im Großhirn oder Nero Kortex. Für uns ist es die  berufsnotwendige Theorie. Können hingegen sind die motorischen Fertigkeiten, die Ausführung in der Praxis und hier gehen wir bei QVFussboden ganz eigene Wege.


Redaktion: Können Sie diese Wege für unsere Leser etwas genauer beschreiben?

Bertram Abert: Vom anderen lernen ist in unserem Leitbild fest verankert. Dies bedeutet, wir gehen mit einem anderen Mitglied auf die Baustelle. Wir lernen die handwerklichen Kniffe direkt vor Ort. So stellen wir sicher, dass unsere Erfahrungen, unser Können und Wissen nur intern weitergegeben wird. Von Mitglied zu Mitglied. Erfahrungen müssen gemacht werden. Sie können nicht theoretisch gelehrt werden oder einfach abgeschrieben beziehungsweise kopiert werden.


Redaktion: Welche Rolle spielt in ihrem Qualitätsnetzwerk die herstellende Industrie?

Bertram Abert: Eine sehr große. Unsere Fördermitglieder erarbeiten und entwickeln mit uns neue Techniken, Maschinen und nicht zuletzt auch Produkte. Unsere Fördermitglieder erhalten von unseren Mitgliedern ein ehrliches Feedback. Wir sind sozusagen für unsere Fördermitglieder die beste Anwendungstechnik die es gibt, denn wir testen in der Praxis und nicht auf der Musterfläche.


Redaktion: Was ist aber wenn dabei etwas schief geht?

Bertram Abert: Aus Fehlern zu lernen ist bei QVFussboden ein feststehender Begriff und somit in unserem Leitbild fest verankert. Wir haben daraus eine eigene Fehlerkultur entwickelt, die uns hilft, jeden Tag noch besser zu werden. Fehler gehören bei uns zum beruflichen Alltag und weil wir keine Angst vor Fehlern haben machen, wir auch immer weniger Fehler.


Redaktion: Sind Designestriche ein momentaner Hype oder sehen Sie für diesen Produktbereich echte Zukunft Chancen?

Bertram Abert: Wir alle können nur bedingt in die Zukunft schauen. Aber was wir wissen ist, dass der Mensch immer nach Neuem strebt. Wir haben sozusagen Lust auf Neues. Hinzukommt eine gesteigerte Sehnsucht nach Echtheit und nach Unikaten. creafloor® trägt diesen Sehnsüchten im wahrsten Sinne des Wortes Rechnung. Die fugenlose Handwerkskunst  verbunden mit Materialechtheit (Purismus) wird  in der Zukunft eine verstärkte Nachfrage auslösen.


Redaktion: Was raten Sie als Fachmann dem Verbraucher, sprich Bauherrn, wenn er sich für einen Creafoor Designestrich entscheiden möchte?

Bertram Abert: Jeder Bauherr tut gut daran, wenn er sich vom ausführenden Meisterbetrieb einige Referenzobjekte zeigen lässt. Er hat so einen optischen und realistischen Eindruck von der Gesamtfläche und kann sich mit dem Nutzer über dessen Erfahrungen mit creafloor® austauschen. 
Wir bei QVFussboden verfügen Dank unserer Mitgliedsbetriebe über eine Vielzahl von Referenzobjekten und Ausführungsvarianten. Diese werden von Tag zu Tag mehr.


Redaktion: Danke für Ihre Offenheit und Ihre Zeit. Danke fürs Gespräch.

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