Michael Bobyk

Michael Bobyk


„Ich bin QV-Mitglied zur Weiterbildung nicht nur im technischen Bereich, sondern auch im Marketing und der Werbung.“


Qualität als Botschaft!

06.08.2019

Designfußböden, insbesondere die Designestriche, treffen auf eine immer größere Beliebtheit bei Architekten, Bauherren und Investoren. Im Zeitalter von zunehmenden Purimus, sprich Echtheit des Materials in der Ausführung, ist das Unikat bei der Raumgestaltung immer mehr im Fokus der Lösung.

Immer, wenn Märkte einem starken Wachstum ausgesetzt sind, steigen natürlich auch die Begehrlichkeiten auf beiden Seiten. So kommen auf der Seite der Anbieter viele neue Verarbeiter hinzu, denen es vor allem an Erfahrung mangelt und die in erster Linie die Chance sehen, einen schnellen Euro zu machen. Die Folge hiervon ist Qualitätsverlust, verbunden mit einem unnötigen Preisdumping und mangelhaften Endergebnissen.


Im Lager der Endverbraucher hingegen kommt der  Wunsch nach einem industriellen Fertigungscharakter verbunden mit industriellen Fertigungsmethoden und einem seriellen Charakter des Unikats auf.
Dieser Widerspruch in sich war der Grund für dieses Interview, welches wir  mit einem der erfahrensten Streiter der Estrichbranche führten.


Redaktion: Herr Abert, Sie haben ein Leben für den Estrich geführt und haben eine Vielzahl von Ehrenämtern in der Estrichbranche begleitet.
Wie sehen Sie als vereidigter Sachverständiger für den Fußboden diese Entwicklung?


Bertram Abert: Oberflächenfertige Sichtestriche hat es immer schon gegeben und sind für mich deshalb nichts Neues. Neu ist nur, welchen Hype diese Arbeitstechnik in den letzten Jahren genommen hat.


Redaktion: Bedeutet dies für Sie, dass die Designestriche ein alter Hut für Sie sind?


Bertram Abert: Nein, keinesfalls. Ich möchte nur an die Tatsache erinnern, dass wir diese Art der Ausführung schon seit vielen Jahren kennen. Unser Handwerk hat eine sehr lange und erfolgreiche Tradition. Mit den heutigen Designestrichen können wir unserem Handwerk ein völlig neues und positives Image geben. Vorausgesetzt, der ausführende Estrichfachbetrieb beherrscht die erforderliche Verarbeitungstechnik.


Redaktion: Warum ist die handwerkliche Leistung bei Designestrichen so immens wichtig?


Bertram Abert: Für mich sind die Designestriche die Formel 1 des Bodenbelags. Will heißen, alle Komponenten, Material, Untergrund, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Nicht jeder Autofahrer kann einfach in ein Formel 1 Auto einsteigen und losfahren. Und so kann auch nicht jeder Estrichleger sofort einen hochwertigen Designestrich ausführen.


Redaktion: Ein toller Vergleich. Können Sie dies für die Leser von Creafloor noch ein wenig deutlicher machen?


Bertram Abert: Selbstverständlich, das mache ich gern. Bleiben wir bei meinem Vergleich mit der Formel 1. So wie das Gaspedal eines Formel 1 Boliden sehr empfindlich ist und mit sehr viel Gefühl bedient werden muss, so muss auch ein Designestrich mit Liebe und Feingefühl eingebracht werden. Der Estrichleger braucht in erster Linie Erfahrung. Wie lange ist die Offenheit des Materials? Mit welchem Werkzeug habe ich die besten Arbeitsergebnisse? Auf welche Details muss ich besonders achten? Welcher Untergrund ist der richtige für dieses Material? Welche Mischung ist die beste? Usw.


Redaktion: Ist es wie bei der Formel 1, dass manchmal die Reifenwahl entscheidend ist?


Bertram Abert: Wenn wir beim Estrich die Reifenwahl mit dem Finish und der Pflege vergleichen, dann ist der Vergleich von Ihrer Seite sehr bildlich und zutreffend. Designestriche leben geradezu vom Qualitätsprofil des Verarbeiters.


Redaktion: Was bedeutet Qualitätsprofil für den Planer und Bauherrn?


Bertram Abert: Nur wenn der Estrichleger, sprich ausführende Betrieb, dieses Qualitätsprofil, welches aus Erfahrung, handwerkliche Präzision und qualitativ hochwertiger Produkte besteht, erfüllt, kann das Endprodukt Designestrich die an ihn gestellten Anforderungen erfüllen.


Redaktion: Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorstand Technik vom Qualitätsverbund Fussboden. Erfüllen Ihre Mitglieder dieses Qualitätsprofil?


Bertram Abert: Nicht alle Mitglieder unseres Netzwerks bieten derzeit Designestriche an, aber es werden täglich mehr, denn der Markt wächst.


Redaktion: Wie geben Sie innerhalb Ihres Netzwerks dieses wichtige Wissen weiter?


Bertram Abert: Dies ist ein echter Kern unseres Netzwerks. Vom Anderen in der Praxis lernen ist ein großer Zusatznutzen von QV Fussboden. Wenn sich ein Mitglied von uns in Zukunft entscheidet, dieses Produktsegment anzubieten, dann geht er sozusagen bei einem erfahrenen Berufskollegen in die Lehre. Nicht an einer ebenen Musterfläche, sondern auf der realen Baustelle. Hier lernt das einzelne Mitglied, wie schwierige Eckbereiche gelöst werden oder wie im Bereich des Fensters gearbeitet werden muss, dass der verstärkte Lichteinfall dennoch einen mängelfreien Fußbodengenuss zulässt. Es gibt für alle Designestriche Details, Tricks und Kniffe, die man in der Praxis am Objekt lernen muss. Da hilft kein noch so gut getexteter Leitfaden.


Redaktion: Apropos Leitfaden. Hat Ihr Netzwerk einen solchen Leitfaden?


Bertram Abert: Natürlich haben wir in unserem Netzwerk einen internen Verhaltenskodex für Designestriche. Dieser ist aber nicht bestimmt für die Öffentlichkeit, sonst wird er nur kopiert und ohne Quellenangabe an Interessenten weitergegeben und davon haben wir als Netzwerk nichts. Wir überzeugen unsere Partner und Auftraggeber unter Zuhilfename unserer Referenzobjekte. Dort kann sich der Kunde direkt vor Ort von der Qualität und der Optik ein zutreffendes Bild machen. Jeder Designestrich ist ein Unikat handwerklicher Spitzenleistung und dies soll für die Mitglieder von QV Fussboden in Zukunft auch so bleiben. Versprochen ist versprochen.


Redaktion: Herzlichen Dank für das Gespräch und die Offenheit. 

 
 
 
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